awe | ane, 05. May 2022

Gestaltung einer chinesischen Liebeserklärung

Wie erkläre ich meinen chinesischen Landsleuten Schaffhausen? Wie mache ich ihnen verständlich, was ich an dieser kleinen Stadt so liebe? Wie verstehen sie, dass es keinen besseren Standort für ihre Niederlassung gibt? Mit dieser Frage beschäftigte sich Xia Chen, die seit 25 Jahren in der Munotstadt lebt. Sie ist mit dem Schaffhauser Thomas Holenstein verheiratet. Während fast 20 Jahren davon betreute und beriet sie bei der Wirtschaftsförderung des Kantons Delegationen und Geschäftskontakte aus China. Sie baute im Rahmen der Standortförderung von Schaffhausen kulturelle Brücken zu ihren Landsleuten.

Genau darum ging es beim Auftrag, ein Buch über Schaffhausen zu gestalten, eine Liebeserklärung an die kleine Stadt. Eine, die Firmen, Gewerbe, Stimmungen, Gastronomie, Events, Kultur und die Geschichte der Stadt zeigt. In Bildern hauptsächlich, aber auch in Text – in chinesischen Schriftzeichen. Das Buch soll als Geschenk an chinesische Geschäftsleute abgegeben werden. Allerdings wird zusätzlich in deutscher Sprache und Schrift erklärt, was da gerade auf Chinesisch erklärt wird. Bei der Gestaltung ging es ebenfalls darum, Brücken zu schlagen und die Liebeserklärung zu untermalen.

Ein Chat als Basis für ein Buch

Die Basis dafür war Xia Chens Wechat-Blog «My Schaffhausen», für den sie fotografiert sowie Geschichten und Gedichte über Aspekte ihrer geliebten zweiten Heimat verfasst. Der Titel «I love SH» spielt mit der Tatsache, das SH in China für Shanghai steht. Und es dort eine grosse «I love»-Leuchtschrift gibt.

Schriften im Dialog – Brücken zu Kulturen

Die Herausforderung für uns bestand darin, Ordnung unter den Bildern zu schaffen und einen Rhythmus zwischen Geschichten, Bildern und Gedichten zu finden. Gleichzeitig galt es, die kleinstädtische Lebendigkeit sowie Abwechslung bestehen zu lassen, die Schaffhausen charakterisieren, ja so liebenswert machen.

Spielen mit Farben, Geometrien, Stimmungen

Die Lösung ist einerseits ein Dialog zwischen den chinesischen Schriftzeichen und den deutschen Erklärungen. Dabei nimmt das Chinesische achtmal mehr Raum ein – denn für China ist das Buch schliesslich gemacht. Die neugierige deutschsprachige Leserschaft bekommt also sichtlich nur Zusammenfassungen serviert. Die Bilder sind immer wieder anders angeordnet. Mal sind sie geometrisch gruppiert, mal spielen sie mit Farbflächen, die die Stimmung aufgreifen. Mal sind sie klein, mal gross, mal mit Text angereichert, mal mit Gedichten in grossen chinesischen Schriftzeichen und viel Leerraum veredelt. 

Bei der Arbeit haben wir uns tatsächlich erneut verliebt in unsere «chliini Stadt», unser kleines Paradies, wo charmante Provinzialität auf Weltkonzerne trifft.

Die beiden Autoren bei der Begleitung der Produktion des Buches.

Agentur
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